Ratgeber

Erdsonden-Wärmepumpe

Höchste Effizienz aus dem Erdreich — Funktion, Bohrung, Bewilligung im Kanton Bern und Kosten praxisnah erklärt.

Erdsonden-Wärmepumpe auf einen Blick

Eine Erdsonden-Wärmepumpe (Sole/Wasser-Wärmepumpe) nutzt die konstante Temperatur des Erdreichs in 50–250 m Tiefe (8–12 °C ganzjährig) als Wärmequelle. Sie erreicht die höchste Effizienz aller Wärmepumpentypen mit einer Jahresarbeitszahl von 4.5–5.0. Die Erdsonden werden nach SIA 384/6 geplant und ausgeführt, mit Bohrtiefen meist 120–200 m im Berner Mittelland. Im Kanton Bern ist eine Bohrbewilligung beim Amt für Wasser und Abfall (AWA) erforderlich — in Grundwasserschutzzonen meist nicht zulässig. Kosten für ein EFH: CHF 55'000–80'000, abzüglich CHF 8'000–14'000 Förderung. Erdsonden selbst halten über 50 Jahre.

Funktionsprinzip

In der Erdsonde — typischerweise einer Doppel-U-Sonde aus Polyethylen — zirkuliert ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel (Sole). Die Sole nimmt die Wärme des Erdreichs auf und transportiert sie zur Wärmepumpe im Gebäude. Dort hebt der Kältekreislauf das Temperaturniveau auf Heiztemperatur und gibt es an den Heizkreis ab. Die Sole kühlt sich um wenige Grad ab und kehrt in die Sonde zurück. Im Sommer kann der Kreislauf für passive Kühlung genutzt werden (Free Cooling) — ein wertvoller Zusatznutzen.

Der grosse Vorteil: Die Erdtemperatur ist ganzjährig stabil. Während eine Luft/Wasser-Wärmepumpe an kalten Tagen ihre Effizienz verliert (bei -10 °C JAZ-Einbruch um 20–30 %), arbeitet die Erdsonden-WP auch im Hochwinter mit voller Leistung. Das macht sie zur effizientesten und betriebssichersten Wärmepumpenlösung.

Vorteile gegenüber Luft/Wasser
  • Höchste JAZ (4.5–5.0 statt 3.5–4.0)
  • Kein Aussengerät → kein Schallnachweis nötig
  • Passive Kühlung im Sommer möglich
  • Sonden > 50 Jahre Lebensdauer
  • Stabil auch bei extremer Kälte

Bohrung und Auslegung

Die Anzahl und Tiefe der Sonden richtet sich nach der Heizlast und der spezifischen Entzugsleistung des Untergrunds. Im Berner Mittelland mit überwiegend Molasse und Moränenmaterial liegt die spezifische Entzugsleistung typisch bei 40–55 W/m. Für ein EFH mit 8 kW Heizlast werden also ~150–200 Bohrmeter benötigt — entweder eine Bohrung à 180 m oder zwei à 90 m.

Gebäude Heizlast Total Bohrmeter Sondenanzahl
Minergie EFH4 kW100–130 m1
Neubau EFH7 kW140–180 m1
Saniertes EFH10 kW180–250 m1–2
MFH 6 Wohnungen25 kW450–625 m3–4

Standortwahl: Sonden brauchen typisch 5–6 m Abstand untereinander, 3 m Abstand zu Gebäudefundamenten und 2 m zur Grundstücksgrenze. Die Bohrgeräte benötigen eine Zufahrt von minimal 3 m Breite und einen Aufstellplatz von 6 × 4 m. Nach der Bohrung wird die Sonde mit Bentonit-Suspension hinterfüllt — wichtig für Wärmeleitfähigkeit und Grundwasserschutz.

Bewilligung im Kanton Bern

Erdwärmesonden sind im Kanton Bern bewilligungspflichtig. Zuständig ist das Amt für Wasser und Abfall (AWA). Die Bewilligung wird über die Standortgemeinde eingereicht und dauert typischerweise 6 bis 10 Wochen. Vor der Einreichung erstellt ein Geologe ein hydrogeologisches Gutachten mit Standortbeurteilung. Wir koordinieren den ganzen Prozess.

Zone Erdsonde möglich?
Übriger BereichJa, ohne besondere Auflagen
Bereich Au (Au-Karte)Nur mit Auflagen, oft Begrenzung Bohrtiefe
Grundwasserschutzzone S3Im Einzelfall mit hydrogeologischem Gutachten
Grundwasserschutzzone S1/S2In der Regel nicht zulässig

In Teilen der Berner Quartiere Wabern, Bümpliz und entlang der Aare gelten Grundwasserschutzzonen. Bevor wir ein Erdsonden-Projekt offerieren, prüfen wir online im Geoportal des Kantons Bern (Map BE) die Bewilligungsfähigkeit. Bei Ablehnung empfehlen wir die Luft/Wasser-Alternative.

Ablauf eines Erdsonden-Projekts

  1. 1Standortprüfung: Heizlast, Zufahrt, Schutzzonen-Check (Map BE), Standortbeurteilung Geologe.
  2. 2Sondenauslegung nach SIA 384/6: Tiefe, Anzahl, Sondentyp, Sole-Zusammensetzung.
  3. 3Bohrbewilligung beim AWA: Einreichung mit hydrogeologischem Gutachten, Dauer 6–10 Wochen.
  4. 4Förderantrag: Kanton Bern + Gebäudeprogramm vor Baubeginn — wir bereiten vor.
  5. 5Bohrung: 2–4 Arbeitstage je nach Tiefe, mit Spül- oder Hammerbohrverfahren.
  6. 6Sondeneinbau und Hinterfüllung: Sonde einführen, mit Bentonit-Suspension verfüllen, Druckprüfung.
  7. 7WP-Installation und Inbetriebnahme: Wärmepumpe, Sole-Einbindung, Hydraulik, Steuerung, Einregulierung.

Gesamtdauer von der Erstberatung bis zur Inbetriebnahme: typischerweise 4 bis 6 Monate, hauptsächlich getrieben vom Bewilligungsprozess. Die eigentliche Bauphase vor Ort umfasst 3–5 Tage Bohrung plus 4–6 Tage WP-Installation.

Kosten und Förderung

Eine komplette Erdsonden-Wärmepumpe für ein EFH kostet inklusive Bohrung, Wärmepumpe, Hydraulik, Bewilligung und Inbetriebnahme typischerweise CHF 55'000–80'000. Die Bandbreite kommt aus Bohrtiefe, Geologie, Heizlast und Aufwand für Bewilligung.

Position Anteil
Erdsondenbohrung (CHF 70–110/m)CHF 12'000–25'000
Sole/Wasser-WärmepumpeCHF 18'000–28'000
Pufferspeicher, Warmwasser-SpeicherCHF 3'500–7'000
Hydraulik, Sole-Einbindung, ElektroCHF 6'000–11'000
Demontage AltanlageCHF 3'000–7'000
Planung, Bewilligung, GutachtenCHF 4'000–7'000

Förderung im Kanton Bern: nationales Gebäudeprogramm + kantonale Pauschale für Erdsondenwärmepumpen typisch CHF 8'000–14'000. Plus steuerliche Abzugsfähigkeit als werterhaltende Massnahme. Erdsondenbohrungen können zusätzlich teilweise gefördert sein. Wir prüfen alle aktuellen Beiträge im Detail.

Häufige Fragen

Wie funktioniert eine Erdsonden-Wärmepumpe?

Nutzt die konstante Temperatur des Erdreichs in 50–250 m Tiefe (8–12 °C ganzjährig). Sole zirkuliert in der Sonde, nimmt Erdwärme auf, die Wärmepumpe hebt das Niveau auf Heiztemperatur. JAZ 4.5–5.0 auch im Winter.

Wie tief muss die Erdsonde gebohrt werden?

Für ein EFH mit 8–10 kW Heizlast typisch 150–250 Bohrmeter total, 1–2 Bohrungen à 120–200 m. Im Berner Mittelland Entzugsleistung ~40–55 W/m. Kanton Bern erlaubt bis 400 m Tiefe.

Brauche ich eine Bewilligung im Kanton Bern?

Ja — Bohrbewilligung beim Amt für Wasser und Abfall (AWA) mit hydrogeologischem Gutachten. Dauer 6–10 Wochen. In Grundwasserschutzzonen S1/S2 nicht zulässig. Online im Geoportal Kanton Bern prüfen.

Was kostet eine Erdsonden-Wärmepumpe?

Komplett für EFH: CHF 55'000–80'000. Bohrung allein CHF 70–110 pro Bohrmeter (total CHF 12'000–25'000). Förderung Kanton Bern: CHF 8'000–14'000.

Wie lange hält eine Erdsonde?

Sonden halten über 50 Jahre. Wärmepumpe 20–25 Jahre. Bei späterem WP-Ersatz kann die Sonde weiterverwendet werden — grosse Investitionssicherheit.

Wann lohnt sich Erdsonde gegenüber Luft/Wasser?

Bei: höherer Heizlast (> 10 kW), MFH, gewünschter passiver Kühlung im Sommer, beengter Schallnachbarschaft, höchstem Anspruch an Effizienz. Bei typischem EFH ist Luft/Wasser meist wirtschaftlicher.

Wie lange dauert die Bohrung?

Bohrarbeiten: 2 bis 4 Arbeitstage. Plus 1 Tag Sondeneinbau und Hinterfüllung. Gesamtprojekt von Bewilligung bis Inbetriebnahme: 4 bis 6 Monate.

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