Ratgeber · Heizung

Wärmepumpe im Altbau

Wann sie im Schweizer Bestand wirtschaftlich läuft, welche Heizkörper-Anpassungen nötig sind und worauf Eigentümer in Bern besonders achten sollten.

Antwort in Kürze

In den meisten Schweizer Altbauten funktioniert eine Wärmepumpe wirtschaftlich – vorausgesetzt, die Vorlauftemperatur lässt sich auf ≤ 55 °C bringen. Im EFH-Bestand bedeutet das oft den Tausch von 2–5 Heizkörpern und einen hydraulischen Abgleich, Zusatzkosten CHF 5'000–15'000. Mit Förderung Bern (CHF 4'000–8'000) und Steuerersparnis liegen die Netto-Investitionen typisch bei CHF 35'000–55'000. Sehr ungünstig sind nur sehr schlecht gedämmte Häuser mit Auslegungs-Vorlauf über 65 °C.

Voraussetzungen für den Altbau

Drei Faktoren entscheiden, ob die Wärmepumpe im Altbau wirtschaftlich läuft:

1. Vorlauftemperatur

Wichtigster Faktor. Im Auslegungsfall (kältester Tag des Jahres) sollte die Vorlauftemperatur unter 55 °C liegen. Ein einfacher Praxistest dazu im nächsten Abschnitt.

2. Wärmeverteilung

Klassische Heizkörper sind oft knapp dimensioniert für niedrige Vorlauftemperaturen. Lösung: gezielter Tausch unterdimensionierter Heizkörper (Typ 33 statt 22) – selten alle.

3. Aufstellung

Bei Luft-Wasser ein passender Aussenstandort mit Schallabstand zu Nachbarn. Bei Erdsonde Bohrgenehmigung – in vielen Berner Gemeinden mit kurzen Vorlaufzeiten möglich.

Der einfache Vorlauftemperatur-Test

Bevor Sie investieren, lohnt sich dieser Test – er kostet nichts und liefert in 7 Tagen ein verlässliches Indiz:

1

Kalten Tag abwarten

Idealerweise 0 °C oder kälter aussen. In Bern typisch Januar/Februar.

2

Heizkurve absenken

An der Heizung die Vorlauftemperatur schrittweise auf 55 °C reduzieren (Heizkurve um 8–15 °C nach unten).

3

7 Tage beobachten

Werden alle Räume warm? Heizkörper auf voll geöffnet, Thermostatventile auf 5. Notieren, welche Räume zu kalt bleiben – das sind Ihre «Problem-Heizkörper».

4

Auswerten

Alle Räume warm bei 55 °C: WP-tauglich. 1–4 Räume zu kalt: WP nach Heizkörper-Tausch tauglich. Mehr als die Hälfte zu kalt: erst Hülle dämmen oder Hochtemperatur-WP / Pellets prüfen.

Heizkörper anpassen statt austauschen

Im Schweizer Altbau ist der komplette Heizkörper-Austausch fast nie nötig. Stattdessen:

Massnahme Wann sinnvoll Kosten pro Heizkörper
Hydraulischer AbgleichImmer (Pflicht für Förderung)CHF 80–150 (im Paket)
Heizkörper-Ventile tauschenBei Anlagen vor 1995CHF 80–150
Heizkörper auf grösseren Typ tauschenBei knapp dimensionierten Räumen (Typ 33 statt 22)CHF 1'200–2'500
Heizkörper-Lüfter nachrüstenWenn Tausch nicht möglich (Sichtbeton, Stuck)CHF 600–1'200
Punktuelle Fussbodenheizung (Estrichaufbau)Bei ohnehin geplanter Boden-/PlattenarbeitCHF 250–400 / m²

Heizkörper-Lüfter sind eine elegante Lösung: Sie steigern die Wärmeabgabe um 50–100 % bei tieferer Vorlauftemperatur, ohne den Heizkörper zu tauschen.

Kosten im Altbau

Position Bandbreite EFH
Luft-Wasser-Wärmepumpe inkl. BoilerCHF 38'000 – 55'000
Hydraulischer AbgleichCHF 1'500 – 3'000
2–5 Heizkörper-TauschCHF 3'500 – 12'500
Demontage Ölheizung & TankstilllegungCHF 2'500 – 4'000
Elektroinstallation (ggf. Hausanschluss-Verstärkung)CHF 2'000 – 5'500
Schallhaube / Aufstellung AussengerätCHF 1'000 – 3'500
Investition bruttoCHF 48'500 – 83'500
Förderung Bern (Gebäudeprogramm)− CHF 4'000 – 8'000
Steuerersparnis (verteilt)− CHF 6'000 – 12'000
Investition nettoCHF 35'000 – 65'000

Bandbreite richtet sich nach Heizleistung, Anzahl Heizkörper-Anpassungen und Aufstell-Aufwand. Ein 1960er-Jahre-Haus mit kleiner Heizkörper-Anpassung liegt typisch in der Mitte der Bandbreite.

Praxisbeispiel aus dem Raum Bern

Projekt 2025 · EFH Köniz, Baujahr 1968

Ölheizung → Luft-Wasser-Wärmepumpe

180 m² Wohnfläche, 14 Heizkörper Typ 22, Vorlauftemperatur alt: 70 °C bei −8 °C aussen. Dämmung: Dach 2010 saniert, Fassade ungedämmt. Eigentümer wollte ohne Fassadensanierung umstellen.

Vorlauftemperatur-Test
3 Räume zu kalt bei 55 °C
Wohnzimmer, Eckzimmer, Bad
Massnahmen
3 Heizkörper auf Typ 33
+ hydraulischer Abgleich
Resultat
JAZ 3.4 (Messung 2025/26)
CHF 1'750 Stromkosten/Jahr
Investition brutto
CHF 58'400
Investition netto (nach Förderung & Steuer)
CHF 44'200

Heizkostenersparnis ggü. Öl rund CHF 2'600 pro Jahr. Amortisation netto in ~17 Jahren. Bei einer geplanten Fassadendämmung in 5–7 Jahren sinkt die JAZ-Last weiter, Amortisation verkürzt sich.

Wann Wärmepumpe nicht ideal ist

Es gibt Konstellationen, in denen Pellets oder Fernwärme im Altbau die bessere Wahl sind:

Pelletheizung

Wenn Auslegungs-Vorlauf über 65 °C bleibt (sehr schlecht gedämmt, Stuck oder Sichtbeton-Heizkörper-Bauten) und Lagerraum (4–6 m³) für Pellets verfügbar ist.

Pellets vs. Wärmepumpe

Fernwärme

Wenn die Liegenschaft im Fernwärme-Versorgungsgebiet liegt (in Bern Stadt, Köniz, Ostermundigen punktuell). Tieferer Investitionsbedarf, kein Aufstellort nötig – aber Wärmequelle nicht selbst gewählt.

Häufige Fragen

Funktioniert Wärmepumpe im Altbau wirklich?

In den meisten Fällen ja – wenn die Vorlauftemperatur unter 55 °C liegt. Mit gezieltem Heizkörper-Tausch und hydraulischem Abgleich erreichen wir das in 80 % der Schweizer EFH-Bestände.

Welche Vorlauftemperatur erlaubt eine Wärmepumpe?

Standard-Modelle bis 55 °C (effizient), Hochtemperatur bis 75 °C (weniger effizient). Beste Wirtschaftlichkeit unter 50 °C.

Muss ich alle Heizkörper tauschen?

Selten. Typisch 2 bis 5 Heizkörper im EFH – Räume mit grossen Aussenflächen. Pro Heizkörper-Tausch CHF 1'200–2'500.

Was kostet die Wärmepumpe im Altbau?

EFH brutto CHF 48'500–83'500, netto nach Förderung Bern und Steuer CHF 35'000–65'000.

Brauche ich vorher eine Fassadendämmung?

Nicht zwingend. Eine WP läuft auch ohne, mit höherem Stromverbrauch. Sinnvoll: Wenn Fassade ohnehin saniert wird, vor dem Heizungsersatz machen – dann reicht eine kleinere WP.

Hybridheizung im Altbau – sinnvoll?

Selten. Vorteil: kleinere WP, geringere Investition. Nachteil: zwei Wartungsverträge, weniger Förderung. Im Kanton Bern oft nur sinnvoll bei sehr hohen Auslegungs-Vorlauftemperaturen über 70 °C.

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