Luft/Wasser-Wärmepumpe auf einen Blick
Die Luft/Wasser-Wärmepumpe nutzt die Aussenluft als Wärmequelle und liefert Heizwärme und Warmwasser für Ein- und Mehrfamilienhäuser. Sie ist die häufigste Wärmepumpenlösung in der Schweiz — rund 80 % aller EFH-Installationen. Eine moderne Anlage erreicht eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3.5–4.0 und arbeitet noch bei Aussentemperaturen bis -20 °C. Aussengeräte sind je nach Modell 38–52 dB(A) laut — ein Schallnachweis nach Lärmschutz-Verordnung (LSV) und SN 520 414 ist Pflicht. Kosten für ein EFH: CHF 35'000–55'000, abzüglich CHF 6'000–10'000 Förderung im Kanton Bern.
Funktionsprinzip
Ein Ventilator zieht Aussenluft durch den Verdampfer, wo ein Kältemittel die thermische Energie aufnimmt. Der Verdichter (kompakter Inverter-Scrollverdichter) hebt das Temperaturniveau durch Kompression, der Verflüssiger gibt die Wärme an den Heizkreis ab. Selbst bei -10 °C Aussenluft enthält die Luft noch genügend Energie für den Heizbetrieb — bei sehr tiefen Temperaturen unterstützt ein elektrischer Heizstab oder bei Hybrid-Anlagen ein Spitzenlast-Erzeuger.
Monoblock
Kompletter Kältekreis im Aussengerät. Im Haus nur Heizungswasser-Anschlüsse. Einfache Installation, kein zertifizierter Kältetechniker im Gebäude nötig. Empfohlen für die meisten Sanierungen.
Split-Gerät
Aussengerät mit Verdampfer, Innenmodul mit Verdichter und Verflüssiger. Kältemittel-Leitung zwischen beiden. Teilweise leiser, aber Installation aufwendiger und Kältemittel-Zertifikat nötig.
Moderne Inverter-Wärmepumpen modulieren die Leistung zwischen 30 % und 100 %. Sie laufen länger bei niedrigerer Last, vermeiden häufiges Takten und arbeiten dadurch effizienter und leiser. Fixe Drehzahl (on/off) findet sich heute kaum mehr in Neuinstallationen.
Aufstellort
Der Aufstellort entscheidet über Akustik, Effizienz und Wartungszugang. Aussengeräte stehen typisch auf einem Betonsockel oder Wandkonsole, mit Schwingungsdämpfern entkoppelt. Wichtigste Anforderungen:
- Schallabstand zum Nachbarn: typisch 3–5 m, je nach Modell und Schallschutzstufe.
- Wandabstand minimal 0.5 m für ungestörte Luftzirkulation.
- Defrost-Wasser-Ablauf: Kondensat muss frostfrei in einen Schacht oder Versickerung geleitet werden.
- Ausrichtung: ideal Süd oder West, geschützt vor Hauptwindrichtung.
- Wartungszugang: Filter, Anschlüsse und Schaltkasten zugänglich für jährlichen Check.
- Optik: bei Sicht-Aufstellung Schallschutzhaube oder Sichtblende koordinieren.
Innenaufstellung ist mit Lüftungskanälen technisch möglich, aber selten — sie benötigt zwei grosse Wanddurchführungen (Zu- und Abluft) und einen ausreichend grossen Heizraum. Bei Reihenhäusern und Stadtwohnungen in Bern manchmal die einzige Lösung.
Schallnachweis und Lärmschutz-Verordnung
Aussenluft-Wärmepumpen müssen die Lärmschutz-Verordnung (LSV) erfüllen — die Planungswerte gelten an der nächsten geöffneten Fensterposition des nächsten Nachbarn. Berechnet wird der Schalldruckpegel nach SN 520 414 mit Berücksichtigung der Schallquelle, des Abstands, der Reflexionen (Wände, Boden) und der Tag-Nacht-Empfindlichkeit.
| Empfindlichkeitsstufe | Beispiel | Tag dB(A) | Nacht dB(A) |
|---|---|---|---|
| ES I | Erholungszone | 45 | 35 |
| ES II | Wohnzone | 50 | 40 |
| ES III | Misch-/Gewerbezone | 55 | 45 |
| ES IV | Industriezone | 60 | 50 |
In den meisten Berner Wohnquartieren gilt ES II — also 50 dB(A) tags, 40 dB(A) nachts. Moderne Geräte erreichen das mit ausreichend Abstand. Bei engen Verhältnissen helfen Schallschutzhauben, Nachtabsenkung der Drehzahl oder Aufstellung an reflexionsarmer Position. Wir erstellen den Nachweis und dokumentieren ihn für die Baubewilligung.
Auslegung und Effizienz
Die richtige Dimensionierung entscheidet über die spätere Effizienz. Eine zu grosse Wärmepumpe taktet häufig (schlechtere JAZ, höherer Verschleiss). Eine zu kleine Anlage kommt im Hochwinter nicht hinterher und schaltet den elektrischen Heizstab zu — Stromrechnung steigt. Die Auslegung erfolgt mit Heizlastberechnung nach SIA 384/2 und der MeteoSchweiz-Auslegungstemperatur (für Bern: -8 °C).
Typische Heizlast für ein EFH 150 m² in Bern:
| Gebäudestandard | Heizlast | WP-Nennleistung |
|---|---|---|
| Minergie-P / Passivhaus | 3–5 kW | 4–6 kW |
| Neubau Standard | 5–7 kW | 6–8 kW |
| Saniertes EFH | 7–10 kW | 8–11 kW |
| Unsaniertes EFH (Bj. vor 1990) | 10–15 kW | 11–16 kW |
Wichtige Effizienz-Hebel sind tiefe Vorlauftemperatur (jede 1 °C tiefer = +2–3 % JAZ), hydraulischer Abgleich nach SIA 384/3, korrekt eingestellte Heizkurve und ein ausreichend grosser Speicher (Pufferspeicher 50–100 Liter pro kW Heizlast).
Kosten und Förderung
Eine Luft/Wasser-Wärmepumpe für ein EFH kostet inklusive Installation, Demontage Altanlage, Hydraulik, Elektroanschluss, Schallschutz und Inbetriebnahme typischerweise CHF 35'000–55'000. Die Bandbreite kommt aus der Heizlast, dem Aufstellort, der Komplexität der Hydraulik und der Warmwasser-Speichergrösse.
| Position | Anteil |
|---|---|
| Wärmepumpe (Aussengerät + Innenmodul) | CHF 15'000–25'000 |
| Pufferspeicher und Warmwasser-Speicher | CHF 3'000–6'000 |
| Hydraulik, Elektro, Steuerung | CHF 5'000–9'000 |
| Demontage Altanlage (inkl. Öltank-Stilllegung) | CHF 3'000–7'000 |
| Planung, Bewilligung, Förderantrag | CHF 2'500–5'000 |
| Schallschutz, Sockel, Sichtblende | CHF 1'500–4'000 |
Förderung im Kanton Bern: nationales Gebäudeprogramm + kantonale Pauschale typisch CHF 6'000–10'000. Voraussetzung ist ein gültiger GEAK Plus und der Antrag vor Baubeginn. Wir übernehmen den ganzen Antragsprozess.
Häufige Fragen
Wie funktioniert eine Luft/Wasser-Wärmepumpe?
Sie entzieht der Aussenluft Wärme — auch bei -20 °C funktioniert sie noch. Ein Ventilator zieht Luft durch den Verdampfer, der Verdichter hebt die Wärme auf Heiztemperatur. Zwei Bauformen: Monoblock (alles im Aussengerät) und Split (mit Innenmodul).
Wie laut ist eine Luft/Wasser-Wärmepumpe?
Aussengeräte erzeugen 38–52 dB(A) in 1 m Abstand. Im Silent-Mode 35–42 dB(A). LSV-Planungswerte ES II: 50 dB(A) tags / 40 dB(A) nachts an Nachbar-Fenster. Schallnachweis nach SN 520 414 Pflicht.
Was kostet eine Luft/Wasser-Wärmepumpe in der Schweiz?
EFH inklusive Installation und Inbetriebnahme: CHF 35'000–55'000. Förderung Kanton Bern: CHF 3'000–8'000 plus nationales Gebäudeprogramm. Netto: CHF 29'000–47'000.
Wo wird das Aussengerät aufgestellt?
Auf einem Sockel an Fassade, im Garten oder auf der Terrasse — minimal 0.5 m Wandabstand, 3–5 m Schallabstand zum Nachbar. Defrost-Wasser-Ablauf nötig. Innenaufstellung mit Lüftungskanälen möglich.
Wann lohnt sich eine Luft/Wasser-Wärmepumpe?
Wirtschaftlichste Lösung bei: sanierten EFH mit Vorlauftemperatur unter 50 °C, Neubauten mit Fussbodenheizung, ausreichend Platz für Aussengerät, vertretbare Schallnachbarschaft.
Wie effizient ist sie?
JAZ typisch 3.5–4.0 — pro 1 kWh Strom werden 3.5–4.0 kWh Wärme erzeugt. Wichtigste Hebel: Vorlauftemperatur (jede 1 °C tiefer = +2–3 % JAZ), Auslegung, Hydraulik. Förderung Bern: JAZ ≥ 2.8.
Wie lange dauert die Installation?
Vor Ort 3 bis 6 Arbeitstage, plus 4 bis 8 Wochen Vorlauf für Bewilligung, Förderantrag und Materialbestellung. Warmwasser wird während des Umbaus mit Provisorien oder Etappierung sichergestellt.
Luft/Wasser-Wärmepumpe planen
Wir beraten, planen Schallschutz und Aufstellort, übernehmen den Förderantrag und setzen sauber um — in Bern und Umgebung.