Ratgeber · Förderung

Impulsberatung «erneuerbar heizen»

Kostenlose Erstberatung des Bundesprogramms EnergieSchweiz beim Heizungsersatz – was sie bringt, wie sie abläuft und wie es danach im Kanton Bern weitergeht.

Antwort in Kürze

Die Impulsberatung «erneuerbar heizen» ist eine kostenlose Vor-Ort-Erstberatung des Bundes für Hauseigentümer mit fossiler Heizung. Ein unabhängiger Energieberater zeigt in rund 2 Stunden auf, welche erneuerbaren Heizsysteme für Ihr Gebäude sinnvoll sind, mit groben Investitions- und Förderbeträgen. Anmeldung über erneuerbarheizen.ch. Im Kanton Bern aktuell gratis – ideal 1 bis 5 Jahre vor dem geplanten Heizungsersatz.

Was ist die Impulsberatung?

Das Bundesprogramm EnergieSchweiz finanziert über Kantone und Energieagenturen eine kostenlose Erstberatung für Eigentümer von Gebäuden mit Öl-, Gas- oder Elektroheizung. Ziel: Hauseigentümer sollen die realistische Bandbreite für einen Heizungsersatz mit erneuerbaren Energien kennenlernen, bevor sie sich an einen einzelnen Anbieter wenden.

Im Gegensatz zu einer Verkaufsberatung ist die Impulsberatung neutral: Der Berater erhält ein Pauschalhonorar vom Bund/Kanton und verkauft Ihnen keine Anlage. Sie können den Bericht anschliessend bei mehreren Heizungsfachpartnern (z.B. Axora) für detaillierte Offerten verwenden.

Wichtig zur Einordnung: Die Impulsberatung ist kein GEAK Plus und keine Heizlastberechnung. Sie liefert eine Orientierung «welches System passt grundsätzlich», nicht die konkrete Auslegung. Beides braucht es später – aber die Impulsberatung verkürzt die Entscheidungsphase erheblich.

Für wen lohnt sich die Impulsberatung?

Klar geeignet

  • EFH-Eigentümer mit Öl-/Gasheizung älter als 12 Jahre
  • STWE mit zentraler fossiler Heizung vor Sanierungsentscheid
  • Eigentümer, die zwischen Wärmepumpe, Pellets und Fernwärme schwanken
  • Liegenschaften mit Heizungsausfall in Sicht (Reparatur lohnt nicht mehr)

Eingeschränkt sinnvoll

  • Sehr kleine Anlagen unter 5 kW Heizleistung
  • Bestehende Wärmepumpe (es geht um den Ersatz fossiler Systeme)
  • Grosse Gewerbe-/Industrieanlagen über 70 kW (eigene Beratungswege)
  • Geplanter Anschluss an Fernwärme bereits beschlossen

Ablauf der Beratung vor Ort

1

Anmeldung (online, ~10 Minuten)

Adresse, Baujahr, Energieträger, Heizungsalter, Wohnfläche und Heizölverbrauch der letzten 2 Jahre. Portal: erneuerbarheizen.ch

2

Berater-Zuteilung (1–3 Wochen)

Sie werden einem zertifizierten Energieberater aus der Region zugeteilt. Im Raum Bern sind aktuell rund 30 Berater aktiv.

3

Vor-Ort-Termin (~2 Stunden)

Begehung Heizraum, Wärmeerzeuger, Heizverteilsystem, Aufstellsituation und Aussenbereich für mögliche Wärmepumpe. Gespräch zu Ihren Prioritäten (Investitionsgrenze, Geräusch, Ästhetik).

4

Schriftlicher Bericht (1–3 Wochen nach Termin)

Beratungsbericht mit 1 bis 3 empfohlenen Systemen, groben Investitionsbeträgen, erwartbaren Förderbeiträgen und Hinweisen zu Schallschutz und Aufstellort.

So bereiten Sie sich auf die Beratung vor

Je besser Ihre Unterlagen vorbereitet sind, desto präziser fällt der Beratungsbericht aus. Diese sechs Punkte sollten Sie vor dem Termin zusammenstellen:

  • Heizöl-/Gas-Rechnungen letzte 3 Jahre oder Strom-Rechnungen bei Elektroheizung. Verbrauch ist die wichtigste Grösse für die Dimensionierung.
  • Baujahr des Hauses plus durchgeführte Sanierungen (Dach, Fassade, Fenster) mit Jahr.
  • Typ und Alter der Heizung: Ölkessel, Gasbrenner, Elektroboiler. Bei Wärmeerzeuger mit Typenschild – Foto reicht.
  • Wohnfläche und beheiztes Volumen. Bei Stockwerkeigentum: Wohnungsanteil.
  • Foto der Aussensituation (mögliche Aufstellung Wärmepumpe, Garten, Nachbargrenzen, Schallnachbarschaft).
  • Notizen zu Ihren Prioritäten: maximale Investitionsbereitschaft, Wichtigkeit von Geräusch, Ästhetik, Komfort. Hilft dem Berater bei der Variantenwahl.

Nicht zwingend nötig, aber hilfreich: Bauakten der Gemeinde (Grundbuch online, kantonales Bauarchiv), Wärmedämmungs-Nachweise, GEAK-Ausweis falls bereits vorhanden. Wenn Sie diese Dokumente nicht finden, ist das kein Problem – der Berater erfasst die Bauteile vor Ort.

Was im Bericht steht

Inhalt Was Sie konkret bekommen
Empfohlene HeizsystemeBewertung Luft-Wasser-WP, Erdsonde, Pellets, Fernwärme für Ihr Haus – mit Pro/Kontra
InvestitionsbandbreiteRealistische CHF-Spanne pro System (z.B. CHF 35'000–55'000 für LWP)
FörderbeiträgeErwartbare Beträge aus Gebäudeprogramm, kantonale und kommunale Zusätze
Aufstellort & SchallschutzSkizze Aussenaufstellung WP mit Mindestabständen zu Nachbarn
Vorlauftemperatur-CheckErste Einschätzung, ob das Heizverteilsystem WP-tauglich ist
Empfehlung nächste SchritteDetail-Offerte, GEAK Plus, Heizlastberechnung – mit Reihenfolge

Typische Empfehlungen für Berner Häuser

Welche Variante typisch empfohlen wird, hängt stark vom Gebäude und Aufstellort ab. Hier die häufigsten Resultate aus Impulsberatungen im Raum Bern:

Gebäudetyp Empfohlenes System Investition typisch
Saniertes EFH mit FussbodenheizungLuft-Wasser-WP MonoblockCHF 35'000–45'000
Unsaniertes EFH mit HeizkörpernLWP + Dämmung Stufen-PlanCHF 45'000–60'000
MFH 4–8 Wohnungen, StadtSole-WP mit ErdsondeCHF 90'000–150'000
EFH Altstadt-LiegenschaftPellets oder FernwärmeCHF 38'000–55'000
Reihenhaus mit LärmnachbarschaftLWP Split mit SchallschutzCHF 40'000–50'000
Liegenschaft in Fernwärme-GebietFernwärme-AnschlussCHF 25'000–45'000

Richtwerte aus Beratungsfällen 2024/25 im Kanton Bern, brutto vor Förderung. Die Förderung des Gebäudeprogramms reduziert je nach Variante um CHF 4'000–15'000 (Wärmepumpe) bzw. CHF 6'000–18'000 (Pellets).

Die Impulsberatung kann auch einer Variante eine klare Absage erteilen: Wenn Aufstellort zu eng, Lärmgrenzwerte nicht einhaltbar oder Heizverteilsystem nicht WP-tauglich, weist der Bericht klar darauf hin und schlägt Alternativen vor.

Wie es nach der Beratung weitergeht

Mit dem Bericht in der Hand sind Sie bereit für die konkrete Umsetzungsplanung. Typischer Ablauf:

Detail-Offerte einholen

Senden Sie den Bericht 2 bis 3 Heizungsfachpartnern (Axora, lokale Mitbewerber). Die geben Ihnen verbindliche Festpreise mit konkretem Wärmepumpen-Modell, Schallplanung und Bauzeitplan.

Förderantrag einreichen (vor Auftragsvergabe!)

Der gewählte Heizungspartner reicht den Förderantrag beim Gebäudeprogramm Bern ein. Bearbeitungszeit 4 bis 8 Wochen für die Förderzusage. Details siehe Heizungsersatz Bern.

Hydraulischer Abgleich nicht vergessen

Voraussetzung für Förder-Auszahlung. Bei einer Wärmepumpe ohnehin wirtschaftlich zwingend – siehe Hydraulischer Abgleich.

Häufige Fragen

Was kostet die Impulsberatung?

Im Kanton Bern aktuell gratis für EFH und kleine MFH mit fossiler Heizung. Finanziert durch EnergieSchweiz und kantonale Programme.

Wer kann sie beanspruchen?

EFH-/MFH-Eigentümer und STWE mit Öl-, Gas- oder Elektroheizung. Ideal innerhalb von 5 Jahren vor geplantem Ersatz.

Wie melde ich mich an?

Über erneuerbarheizen.ch oder direkt bei einem zertifizierten Berater. Wir vermitteln auf Wunsch einen unabhängigen Berater im Raum Bern.

Reicht das als Grundlage für den Heizungsersatz?

Nein. Die Impulsberatung ist eine Erstorientierung. Für die Umsetzung braucht es Heizlastberechnung, Schallplanung und Festpreis-Offerte vom Heizungsfachpartner.

Kann ich gleich Axora kontaktieren ohne Impulsberatung?

Ja. Wir bieten kostenlose Vor-Ort-Begehung mit Festpreis-Offerte, inklusive Förderantrag-Berechnung. Die Impulsberatung ergänzt das mit einer neutralen Zweitmeinung – ist aber kein Muss.

Bin ich nach der Beratung verpflichtet, etwas zu kaufen?

Nein. Die Beratung ist unverbindlich. Sie können den Bericht beliebig lange aufbewahren und z.B. erst beim altersbedingten Defekt der bestehenden Heizung umsetzen.

Bereit für die Umsetzung?

Mit oder ohne Impulsberatungs-Bericht: Wir berechnen Heizlast, Festpreis und Förderbetrag – und übernehmen die ganze Umsetzung im Raum Bern.