Ratgeber · Altersgerecht

Barrierefreies Bad planen

Mindestmasse nach SIA 500, bodenebene Dusche, fahrbares Lavabo und Förderungen – aus der Sanierungspraxis im Raum Bern.

Antwort in Kürze

Ein barrierefreies Bad wird in der Schweiz nach SIA 500 „Hindernisfreie Bauten" geplant: bodenebene Dusche ohne Schwelle, Türen mit mind. 80 cm lichter Breite, eine Bewegungsfläche von 120 × 120 cm vor jedem Sanitärobjekt, fahrbares oder unterfahrbares Lavabo, klappbare Stützgriffe an Dusche und WC, rutschhemmende Beläge ab R10. Mehrkosten gegenüber konventioneller Sanierung: CHF 3'000 bis 8'000.

SIA 500 verstehen

Die Norm SIA 500 „Hindernisfreie Bauten" ist in der Schweiz die zentrale Referenz für barrierefreie Planung. Sie definiert drei Anwendungsstufen, die nicht alle dasselbe verlangen:

Hindernisfrei (Mindeststandard)

Mit Gehhilfen oder Rollator nutzbar. Schwellenfreie Übergänge, ausreichende Bewegungsflächen, gute Beleuchtung.

Anpassbar (Standard für Wohnen)

Im Bedarfsfall ohne grossen Aufwand für Rollstuhlnutzung anpassbar. Versteckte Verstärkungen für Stützgriffe, ausreichend Bewegungsfläche.

Rollstuhlgerecht

Direkt mit Rollstuhl nutzbar. Wendekreise, unterfahrbare Apparate, breitere Türen, technische Anpassungen.

Für die meisten Privathaushalte ist die Stufe „anpassbar" die richtige Wahl: heute komfortabel, später ohne grossen Aufwand erweiterbar.

Mindestmasse im Überblick

Element Anpassbar Rollstuhlgerecht
Türbreite (lichte Weite)80 cm90 cm
Bewegungsfläche vor Apparaten120 × 120 cm140 × 170 cm
Duschfläche120 × 120 cm150 × 150 cm
Schwelle Dusche≤ 25 mm0 mm (bodengleich)
WC-Sitzhöhe46 cm46–48 cm
Lavabohöhe (Oberkante)85 cm80 cm
Beinfreiheit unter Lavaboempfohlen≥ 67 cm
Bodenbelag (Rutschhemmung)R10R10 / B

Werte gemäss SIA 500. Im Einzelfall kann bei beengten Bestandsbauten geringfügig abgewichen werden.

Bodenebene Dusche richtig planen

Die schwellenfreie Dusche ist die wichtigste – und planerisch anspruchsvollste – Komponente eines barrierefreien Bades. Worauf es ankommt:

  • Gefälle und Entwässerung: 1 bis 2 % Gefälle zur Ablaufrinne. Lineare Wandablaufrinnen wirken optisch ruhiger als Punktabläufe.
  • Bodenaufbau: für eine bodengleiche Dusche braucht es mind. 12 bis 15 cm Aufbauhöhe inkl. Abdichtung, Estrich und Plattenbelag. Bei Geschossdecken in Altbauten oft eine Herausforderung.
  • Abdichtung: Verbundabdichtung im gesamten Duschbereich, hochgezogen an den Wänden. Häufige Schwachstelle bei nachträglich umgebauten Bädern.
  • Rutschhemmung: mindestens R10, im Duschbereich R10/B. Optisch nahtlos zum Bodenbelag des restlichen Bades planbar.
  • Sitzgelegenheit: klappbarer Duschsitz an verstärkter Wand. Belastung mind. 150 kg, Höhe 45 bis 48 cm.
  • Brausesystem: Schiebestange mit höhenverstellbarer Handbrause, thermostatisch geregelt mit Verbrühschutz (max. 38 °C).

WC und Lavabo

WC

  • – Sitzhöhe 46 cm (Standard 40 cm)
  • – 80 cm Anfahrbereich seitlich
  • – Klappbare Stützgriffe links und rechts
  • – Spülrandlos für leichte Reinigung
  • – Optional Dusch-WC für Selbstständigkeit

Lavabo

  • – Höhe 80–85 cm Oberkante
  • – Beinfreiheit unter dem Becken min. 67 cm
  • – Wandbefestigung für nachträgliche Höhenverstellung
  • – Einhebel-Mischer mit Verbrühschutz
  • – Abgewinkelter Siphon (Knie raus aus dem Anfahrbereich)

Stützgriffe und Details

Stützgriffe sind nur dann sicher, wenn die Wand sie tragen kann. Vorausschauend wird bei der Sanierung eine Verstärkung in Form von Holzplatten oder Stahlträgern hinter den Platten eingebaut. Sichtbar oder nicht – die statische Vorbereitung kostet im Sanierungsmoment kaum etwas, später ist sie aufwendig.

Stützgriffe

Klappbar in Edelstahl mattgebürstet (wirken nicht wie Pflegeapparat). Belastung mind. 150 kg, Diagonalmontage zum Aufstehen aus dem Sitzen.

Türen

Nach aussen öffnend oder als Schiebetür ausgeführt – damit ein Sturz im Bad nicht die Tür blockiert. Lichte Weite 80 cm (anpassbar) bzw. 90 cm (rollstuhlgerecht).

Beleuchtung

Helles, blendfreies Licht (300 Lux am Spiegel, mind. 200 Lux Grundlicht), Bewegungsmelder bei nächtlicher Nutzung, Notlicht-Schaltung empfohlen.

Bodenbelag

Grossformatige Platten mit Rutschhemmung R10 oder R11. Im Duschbereich Bewertungsgruppe B. Optisch identisch zum restlichen Boden – kein „Pflege-Look".

Notruf

Optional: Notruftaster wandhängend in Sitz- und Stehhöhe, kabelgebunden zur Haustelefonanlage oder als Funkmodul zu einer 24h-Notrufzentrale.

Kosten und Förderung

Die Mehrkosten gegenüber einer konventionellen Sanierung verteilen sich typisch wie folgt:

Mehraufwand Mehrkosten
Bodenebene Dusche statt WanneCHF 1'500 – 3'500
Türverbreiterung (inkl. Rahmen, Maler)CHF 1'200 – 2'500
Klappbare Stützgriffe + WandverstärkungCHF 600 – 1'200
Erhöhtes WC mit Dusch-FunktionCHF 1'500 – 4'500
Unterfahrbares Lavabo + MischerCHF 600 – 1'500
Mehrkosten Total (typisch)CHF 3'000 – 8'000

Förderung und finanzielle Hilfen

Pro Senectute

Beratung und im Einzelfall finanzielle Hilfe für Personen über 65 mit beschränkten Mitteln. Voraussetzung: Bedürftigkeitsabklärung. Vor Sanierungsstart anfragen.

Pro Infirmis

Unterstützung für Menschen mit Behinderung. Beratung zu baulicher Anpassung, technischen Hilfsmitteln und Finanzierung.

IV-Leistungen

Bei medizinisch begründeter Notwendigkeit übernimmt die IV ggf. Kosten für Hilfsmittel und bauliche Anpassungen (Hilfsmittelverordnung).

Steuerlicher Abzug

Werterhaltende Anteile sind in der Steuererklärung abzugsfähig. Bei nachgewiesenen behinderungsbedingten Kosten ggf. zusätzlich als Krankheitskosten.

Häufige Fragen

Was ist ein barrierefreies Bad?

Ein nach SIA 500 geplantes Bad: bodenebene Dusche, Türen mit min. 80 cm lichter Breite, Bewegungsfläche 120 × 120 cm vor jedem Sanitärobjekt, fahrbares oder unterfahrbares Lavabo, Stützgriffe an Dusche und WC, rutschhemmende Beläge ab R10.

Welche Mindestmasse gelten?

Türbreite 80 cm (rollstuhlgerecht 90 cm), Bewegungsfläche 120 × 120 cm, Duschfläche min. 120 × 120 cm, WC mit 80 cm seitlichem Anfahrbereich. Für Rollstuhl Wendekreis 140 × 170 cm, Lavabohöhe 80 cm mit Beinfreiheit 67 cm.

Was kostet ein barrierefreies Bad?

Mehrkosten gegenüber konventionell CHF 3'000 bis 8'000. Eine Komplett-Sanierung mit barrierefreier Ausführung liegt bei CHF 30'000 bis 70'000. Detaillierte Bandbreiten im Kosten-Ratgeber.

Welche Förderungen gibt es?

Pro Senectute, Pro Infirmis, IV-Leistungen bei medizinischer Notwendigkeit. Werterhaltende Anteile sind in der Steuererklärung abzugsfähig. Vor Sanierungsstart anfragen.

Wann lohnt sich der altersgerechte Umbau?

Sobald eine Bad-Sanierung ohnehin ansteht, lohnt sich die barrierefreie Ausführung fast immer. Mehrkosten 5 bis 12 % des Gesamtbudgets, Werterhalt deutlich höher. Auch jüngere Bewohner profitieren von der bodenebenen Dusche.

Welche Apparate eignen sich besonders?

WC spülrandlos mit 46 cm Sitzhöhe, optional Dusch-WC für Selbstständigkeit, fahrbares oder unterfahrbares Lavabo, Einhebel-Mischer mit Verbrühschutz, klappbare Stützgriffe in Edelstahl, ausziehbare Handbrause mit Schiebestange.

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